Donnerstag, 01. Oktober 2026

Vier Irre - auf verschlungenen Wegen

Martin Puttke und seine Tochter Bastienne Voss lesen aus ihren Debüts

Speiches Rock & Blues Kneipe
Raumerstraße 39
10437 Berlin

T: 030 444 56 24
www.partyinpankow.de/

Uhrzeit: 19:30 Uhr

Martin Puttke liest: „Geradeaus auf verschlungenen Wegen“ ( 2026, Verlag Neues Leben)


Sommer 1961, der achtzehnjährige Martin Puttke radelt durchs Brandenburger Tor - aus dem
Ruhrpott kommt er, sein Traum: Balletttänzer. „Kaum war ich mit meinem klapprigen Fahrrad
zwischen den wuchtigen Säulen hindurchgeradelt, löste sich mein Koffer vom Gepäckträger, fiel
auf das Pflaster, öffnete sich und Albert Schweitzer und William Shakespeare fielen heraus...“
Die einzige staatliche Ballettschule steht in Ostberlin. Erst nach abenteuerlichen Umwegen darf er
tatsächlich dort lernen. Er wird Tänzer an der Staatsoper, studiert Tanzpädagogik in Moskau, wird
künstlerischer Leiter, dann langjähriger Direktor der Berliner Ballettschule, die unter seiner Ägide
zu einer Ausbildungsstätte von internationalem Rang wird.

 


Bastienne Voss liest: „Drei Irre unterm Flachdach“ (2007, Hoffmann und Campe)


Mitte der siebziger Jahre. Die kleine Jenni wächst bei ihren Großeltern am Stadtrand von Ostberlin
auf, während Mutter Barbara und Vater Martin in Moskau studieren. „Die Vossen ihr Opa“ baute
einen Bungalow. Der war außen mit Riffelplaste und Alufolie verkleidet und innen mit golden
bemaltem Pappstuck verziert. Ein besonderer Luxus waren die Dimmschalter von Tante „Elektra“
aus dem Westen. Hier, unter dem undichten Flachdach, lebten die drei Irren: Bastienne Voss, der
durchgeknallte Gustav, ein schrulliger Außenseiter, der sich zuweilen innerhalb von Sekunden in
ein brüllendes Ungeheuer verwandelte und seine Frau Wilma, die Gustav gerne eine „dumme Gans“
nennt...
Martin Puttke, der vierte „Irre“, der, wild entschlossen Tänzer zu werden, wenige Wochen vor dem
Mauerbau aus dem Westen in den Osten radelt, dankt in seinem Buch unter anderem seiner Tochter
Bastienne: „... die auf manches verzichten musste und meine Schüler besser kannte als mich, ihren
Vater...“
Und Bastienne Voss schreibt, dass Opa Gustav davon besessen war, zu Weihnachten im
Wintergarten eine drei Meter hohe Tanne aufzustellen, die man durchaus nicht leicht zu kaufen
bekam. Jenni betete jeden Tag in der Vorweihnachtszeit, alles möge gutgehen: „Es war schon
trostlos genug, daß wir wieder mal nur zu dritt feiern würden, ohne die Eltern.“


Zwei Menschen, zwei Leben, zwei Bücher und unvergleichliche, vergleichbare Erinnerungen.