Zum 90. Geburtstag

Vera Friedländer stand am 27. Februar vor 75 Jahren  - an ihrem 15. Geburtstag - in der Großen Hamburger Straße mit vielen anderen Menschen. Ihre Mutter war, wie die Angehörigen der Umstehenden, von den Nazis festgenommen worden. Sie sollten deportiert werden. »Fabrikaktion« nannte die Gestapo diese Arretierung Tausender Berliner Juden, die mit einem »arischen« Partner verheiratet waren. Der einzige Protest dieser Art im Nazireich war erfolgreich, die Frauen und Männer kamen frei. Möglicherweise ist Vera Friedländer die letzte lebende Augenzeugin jenes denkwürdigen Tages im Februar 1943. Danach wurde sie selbst zur Zwangsarbeit gezwungen, worüber sie in ihrem Buch »Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander« berichtet.

Die Autorin, die nach dem Krieg in Berlin Germanistik studierte, an der Humboldt-Universität eine Professur hatte und einige Jahre auch in Warschau lehrte, beschäftigte sich zeitlebens mit dem Thema Shoa, Verfolgung und Widerstand und verarbeitete dabei eigene Erlebnisse. Wir gratulieren! 

 

»Ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander«

Friedlaender Zwangsarbeiterin

 

Vera Friedländer eine der letzten lebenden Zwangsarbeiterinnen aus der Nazizeit. Als 16-jährige musste sie Schuhwerk für die Salamander A. G. in Berlin sortieren, das einer »Weiterverwertung« zugeführt wurde: Es handelte sich, wie sie später erfuhr, um die Schuhe in Auschwitz und anderen Lagern Ermordeter. Jahrzehnte nach dem Krieg begann Vera Friedländer, ihre eigene Biografie und die Betriebsgeschichte der Salamander AG zu erforschen und aufzuschreiben. So erfuhr sie, dass sie einst für einen der größten Profiteure des Naziregimes gearbeitet hatte. In ihrem berührenden Text erinnert sie sich ihrer und der Vergangenheit des Schuhkonzerns aus Kornwestheim, der diesen Teil der Betriebsgeschichte verdrängen wollte. Entstanden ist ein spannendes und sehr bewegendes Sachbuch.