Betrogen von der »Wende«
Mein Leben in Böhmen, der SBZ/DDR und im Beitrittsgebiet. Tagesnotizen von 1983 bis 2003
Ein Historiker zieht Bilanz. Anders als viele Berufskollegen, die auf ihr Leben zurückschauen, unternimmt Prokop nicht den Versuch, das eigene Dasein in die Große Geschichte einzubetten und seine Person mit den Lebensläufen bedeutender Personen und historischen Ereignissen zu verknüpfen. Die Geschichte findet allenfalls an der Peripherie statt und manches Ereignis überhaupt nicht. Es steht schließlich in den Büchern und im Internet. So erfährt man denn insbesondere aus den Tagesnotizen zwischen 1983 und 2003, die den größten Teil des vorliegenden Buches ausmachen, was den ostdeutschen Professor in diesen zwanzig Jahren tagtäglich beschäftigte: vom politischen bis zum realen Schnupfen, von der Autopanne bis zum Hausbau, juristischen Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber und mit Witwen, von Gastprofessuren im Ausland und Lesungen im Inland. Prokop, der Zeitgeschichtler, verschweigt nichts. So entsteht ein ehrliches, womöglich zu offenes Lebensbild eines Akademikers, das unter anderen gesellschaftlichen Umständen nie so hätte entstehen können.
Prokop gehörte zu den namhaftesten Historikern der DDR. Er arbeitete an der Humboldt-Universität zu Berlin und war Gastprofessor in Paris, Montreal und Moskau, ihm wurde nach der "Wende" gekündigt. Wegen fehlender persönlicher Eignung und mangelnder Qualifikation. Dieses »Sonderkündigungsrecht« wurde den Abräumern durch den Einigungsvertrag zugestanden. Prokop machte sich weder krumm noch kapitulierte er. Er zog, wie von ihm gewohnt, in die Schlacht, die früher Klassenkampf hieß und es noch immer ist. Nach acht Lebensjahrzehnten blickt er zurück.
618 Seiten, 12,5 x 21 cm, brosch.

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