Brückenbauer im Kalten Krieg
     

Hans Heinrich Franck war vieles zugleich: herausragender Chemiker, Hochschullehrer, Wissenschaftsorganisator – und ein Mann, der sich weigerte, sein Gewissen den jeweiligen Machtverhältnissen zu opfern. Als Sohn des Malers Philipp Franck, Mitbegründer der Berliner Secession, wuchs er in einem kunstsinnigen Milieu auf. Früh verband er wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung: leitete Forschungslabore großer Chemiekonzerne und prägte als Professor für Technische Chemie Generationen von Studierenden. Als Sozialdemokrat und später überzeugter Sozialist geriet er immer wieder zwischen die Fronten der politischen Systeme. 1937 verlor er wegen »jüdischer Versippung« seine Professur und seine Ämter. Es folgten Jahre existenzieller Bedrohung. Nach 1945 gehörte Franck zu den zentralen Gestaltern des wissenschaftlichen Neuanfangs in Berlin. Er half beim Wiederaufbau der Hochschulen, war Mitbegründer der Technischen Universität Berlin, führte dort das »Humanistische Studium« ein und kämpfte für eine Wissenschaft, die aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gelernt hatte. Er entschied sich bewusst für den sozialistischen Weg und für ein Engagement in Ost-Berlin, was ihn seine Stellung in West-Berlin kostete. Als Gründer und Präsident der Kammer der Technik, Akademiemitglied, Mitbegründer des Kulturbundes, Professor an der Humboldt-Universität und Abgeordneter der Volkskammer versuchte Franck beharrlich, Brücken zwischen Ost und West zu schlagen. Sein Haus in Pankow wurde zu einem Treffpunkt kritischer Geister aus Wissenschaft, Kunst und Kirche. – Diese Biografie erzählt vom Mut zur Konsequenz, von wissenschaftlicher Verantwortung und politischer Loyalität. Franck erscheint darin als unbequemer Humanist und unterschätzter Brückenbauer in einer zerrissenen Zeit, als Schlüsselfigur der deutschen Wissenschafts- und Kulturgeschichte.

 

Hans Heinrich Franck (1888-1961), Chemiker und Wissenschaftsorganisator, Sohn des Malers Philipp Franck, Vater der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger. Studium der Chemie, Physik und Nationalökonomie; Forschungsarbeit in der Chemieindustrie und Professor an der Technische Hochschule Berlin; 1937 aus politischen Gründen entlassen. 1945 zentrale Rolle beim Wiederaufbau der Berliner Hochschulen, Mitbegründer der TU Berlin, ab 1949 Professor an der Humboldt-Universität, Präsident der Kammer der Technik, Volkskammerabgeordneter.

192 Seiten, 12,5 x 21 cm, broschiert, mit Abbildungen

20,– €
ISBN 978-3-360-02828-0
ersch. 25. August 2026
Gerd Kley
Bildrechte: privat

Gerd Kley

Gerd Kley, promovierter Physiker, arbeitete ab 1970 an Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR und leitete dort bis 1991 die Abteilung »Hochtemperaturwerkstoffe«. Von 1992 bis zur Berentung 2008 war Kley als Projektleiter an einer Bundesanstalt tätig.

Publikationshinweis

»Brückenbauer im Kalten Krieg. Die Biografie des Chemikers und Wissenschaftsorganisators Hans Heinrich Franck« erscheint im Verlag edition ost, einem Imprint der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

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