Walter Heynowski
Der Film meines Lebens. Zerschossene Jugend
320 S., geb. mit Schutzumschl., mit zahlr. Fotos u. Dokumenten, 19,90
ISBN 978-3-360-01295-1


Walter Heynowski war eine der markantesten Figuren der DDR-Kulturszene. Bevor er als Dokumentarfilmer mit seinem Kollegen Scheumann große Bekanntheit erlangte (Studio H&S), war er Chefredakteur der Zeitschrift »Frischer Wind«, aus der der spätere »Eulenspiegel« hervorging, und er war auch der Gründer des Eulenspiegel Verlags. Seit Jahren hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um an seinen Erinnerungen zu arbeiten, die jetzt bei Das Neue Berlin erscheinen.

Der Autor schildert in dem nun vorliegenden Band eindringlich die ersten 20 Jahre seines Lebens, kurz zusammengefaßt heißt das: Mit 17 Jahren Flakhelfer, begeistert vom Führer und nicht zweifelnd an der Richtigkeit der Aufgaben; der Wunsch, eine Ausbildung zum Kriegsberichterstatter zu machen, scheitert an Heynowskis »undeutschem« Aussehen; amerikanische Kriegsgefangenschaft im Rheinwiesenlager bei Bad Kreuznach; desillusioniert und glücklich, überlebt zu haben, aus der Gefangenschaft entlassen; schließlich erste redaktionelle Arbeit in der französischen Besatzungszone und Übersiedelung nach Ost-Berlin.

Für Heynowski, der sich als akribischer Forscher in der eigenen Vergangenheit erweist, zählt dabei jedes Detail zu Recht, denn darin steckt die größtmögliche Erkenntnis über einen Zeitabschnitt, zu dem sich in der Tat schon viele geäußert haben. Im Gegensatz zu den meisten anderen läßt es der Autor aber nicht auf der eigenen Erinnerung beruhen, denn die kann trügerisch sein. Vielmehr vergleicht er diese stets mit zeitgenössischen Quellen, Dokumenten und auch den Erinnerungen anderer Zeitzeugen, prominenter sowie unbekannter. Er unternimmt eine Reise in die Vergangenheit auch geographisch, indem er die Orte des Geschehens wieder aufsucht, um dort nach Spuren und Zeugnissen zu forschen. Diese Methode, die an die des perfektionistischen Dokumentarfilmers erinnert, objektiviert, bzw. relativiert die subjektiven Erfahrungen, und das persönliche Erleben wird zur historischen Facette. So ist ihm gelungen, ein weit über seine eigene Biographie hinausweisendes Lebensbuch zu schreiben, das Leistung und Versagen einer ganzen Generation erfragt.